Beim Morden bitte langsam vorgehen

Sara Paborn - Beim Morden bitte langsam vorgehen - Penguin
Sara Paborn - Beim Morden bitte langsam vorgehen - Penguin

Fließend und flott zu lesen, höchst unterhaltsam, voller Witz und schwarzem Humor, eine nette Lektüre für einen verregneten Nachmittag.
„In der Ehe gibt es immer einen, der gewinnt. Und einen, der fertiggemacht wird. Die Ehe ist ein Kampf, ein Krieg. Ist es da nicht logisch, dass sie auch so endet wie alle Kriege? Einer stirbt?“


39 Ehejahre, Irene reicht‘ s. Ihre Ehe mit dem Elektroinstallateur Horst ist schon lange alles andere als glücklich. Versunken ist der klägliche Eherest in Alltagsroutine, Desinteresse, Langeweile, da ist Einer des Anderen überdrüssig geworden. Da prickelt’s sicher nicht mehr. Stets sind es ihre Wünsche und Träume, die auf der Strecke bleiben, immer geht es nach ihm. „Man könnte sagen, dass er sich taub stellte für alle anderen Töne als seine eigenen.“ Es geht einfach nicht mehr, sagt sich die 67jährige Bibliothekarin, da muss es noch etwas Anderes geben, etwas mit mehr Sinn, Lebensgefühl, Glück. Als Horst auch noch ihre ganzen Kisten voller Bücher entsorgt ist es genug. Im Keller findet sie Bleiband, ‚wie man es früher in den unteren Rand von Vorhängen genäht hat‘. Irene blättert im Lexikon und bleibt bei „Bleivergiftung“ hängen. Weitere Recherchen entpuppen sich zu einer geradezu ‚faszinierenden Lektüre‘. Im weiteren Verlauf stößt die jetzt plötzlich hellwache und hoch motivierte Irene auf eine Anleitung zur Herstellung von Bleizucker, einem hochgiftigen Stoff. „Bleizucker wird hergestellt, indem man Blei in Essig oder Zitronensäure auflöst und die Lösung trocknen lässt. Die Rückstände sind ein schweres, feines, geruchloses schneeweißes Pulver.“ Noch Fragen?

Es ist ein gewagtes Spiel und als Leser wird man immer intensiver eingewoben in diese skurrile Ehegeschichte, die doch einmal so glücklich begann und nun so ausweglos in Sackgasse und Hass endet: Rückblicke, verschiedene Lebensstationen geben den fast vier Jahrzehnten Ehe, aus denen Kinder und Enkelkinder stammen, ein Gesicht. Ein Krimi, eine Komödie, eine Satire, was auch immer, der Tenor des Romans, das Sich- Auseinanderleben in einer langjährigen Ehe, wäre allein für sich genommen sicher kein erfolgreiches Romanthema, viel zu realistisch. Aber eingebettet in eine Geschichte, die so herrlich zynisch ist, so bitter- böse und im wahrsten Sinne des Wortes „giftig“, mausert sich der Roman schnell zu einer leicht- lesenswerten köstlichen Lektüre. Fast scheint es, als hätte Ingrid Noll hier Pate gestanden. Ein sehr lebendiger Roman mit tödlichem Ausgang.

Die schwedische Autorin Sara Paborn ist Jahrgang 1972 und damit für eine knapp 40jährige Ehe noch zu jung, aus Erfahrung schreibt sie also hier sicher nicht, nehmen wir es also eher als Warnung mit morbidem Beigeschmack, sich selbst nie zu verlieren und aufzugeben. „Ich bin siebenundsechzig, aber ich fühle mich jünger denn je. Es kommt mir vor, als hätte ich mich gehäutet, als wäre ich eine andere geworden oder besser gesagt: diejenige, die ich in meinem tiefsten Inneren immer schon gewesen bin.“

 

Sara Paborn
Beim Morden bitte langsam vorgehen
Penguin, München
ISBN: 9783421048028
272 Seiten, 18 Euro

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Über Barbara Wegmann 88 Artikel
Viele Jahre Redakteurin und Moderatorin beim Hörfunk, mittlerweile freie Journalistin und Sprecherin für Blinde und Sehbehinderte, Großer Fan von schönen Kinderbüchern, Bildbänden und fesselnden Krimis. Und das Schönste: die Neugier auf neue Bücher wird man einfach nicht mehr los.......

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