Das Echo der Wahrheit

Eugene Chirovici - Das Echo der Wahrheit
Eugene Chirovici - Das Echo der Wahrheit

Dr. James Cobb ist ein renommierter New Yorker Psychiater. Nach einer Veranstaltung lernt er eines Tages den 64jährigen Joshua Fleischer kennen. „Ich…wusste sofort, Sie sind der Mann, den ich suche.“ Fleischer, für den Geld keine Rolle spielt, der zudem sterbenskrank ist, bittet Cobb, ihn in Hypnose zu versetzen und so zu helfen, die Geschehnisse an einem Abend vor sehr langer Zeit in einem Pariser Hotel aufzuklären. Fleischer und ein gewisser Abraham Hale studierten damals in Paris, waren Freunde und beide in eine junge Frau namens Simone verliebt. „Eines Nachts wurde Simone ermordet, und Abe verschwand spurlos auf Nimmerwiedersehen. Wir waren an diesem Abend zusammen gewesen, wir drei…“. Fleischer jedoch kann sich nicht mehr genau erinnern, was passiert ist, möchte Gewissheit, „ich will diese Welt nicht verlassen, ohne zu wissen, ob ich ein Verbrecher bin oder nicht.“

Was dann auf gut 300 Seiten folgt ist ein phänomenaler Erzählsog, ein mitreißender Strudel von Aussagen, vieler Zeugen und Perspektiven und verschiedener Wahrheiten, ein Sog, dem man sich, selbst wenn er es zuließe, nicht entziehen kann. „…unser Gedächtnis ist keine Kamera, die Bilder und Geräusche aufzeichnet; es besitzt eine unglaubliche Fähigkeit, das Erinnerte zu schönen und nicht selten auch zu fälschen.“ Wo liegt sie, die Wahrheit, damals in Paris, in jenem Hotelzimmer? Welches ist die richtige Wahrheit?

James Cobb, der auch ein eigenes Interesse an der Klärung des damaligen Falles hat, lassen die Geschehnisse nicht mehr los, er treibt alte Freunde, Zeitzeugen, Bekannte, Kollegen, Verwandte auf, die die drei einst kannten. Jede Schilderung hilft dabei, die drei Charaktere des Joshua, des Abraham und der Simone schillernder zu machen. Stück für Stück wird ein neues Detail aus dem Geschehen wie ein Puzzlestück für ein noch unbekanntes Ende hinzugefügt, immer plastischer werden während der Hypnose- Behandlung und im Verlauf der späteren Recherche, die Cobb auf eigene Faust unternimmt, Personen und Geschehen, gleichzeitig aber geraten voreilig getroffene Urteile über längst vergangene Geschehnisse plötzlich ins Wanken, müssen revidiert werden, war alles doch ganz anders, oder?

Fasziniert ist man bei und in diesem Buch nicht nur vom Inhalt und seiner Vielschichtigkeit, die sich stetig und filigran aufbaut, es ist auch die Erzählart, die einen schnell einnimmt und nicht mehr aus dem Bann lässt. Ruhige Sätze, klare Gespräche und Sachverhalte, fast ein langsam aber stetig fließendes Erzähltempo, so scheint es, und doch ist es gerade diese ruhige und behutsame Art des Erzählens, die so ungeheuer fesselnd wirkt. Letztlich taucht man als Leser neben dem eigentlichen Geschehen auch ein in die unergründliche und geheimnisvolle Welt unseres Bewusstseins.
„Unser Bewusstsein agiert wie ein Regisseur, schneidet Szenen aus seinem Film, wie es ihm gefällt, und verbindet andere miteinander, um ihnen einen bestimmten Sinn zu verleihen. Wir zeichnen nicht Tatsachen auf, sondern Bedeutungen und Gefühle….“

Chirovici hat eine aufregende Vita: er stammt aus einer rumänisch-ungarisch-deutschen Familie aus Siebenbürgen, arbeitete nach seinem Studium für Hörfunk, Fernsehen und Zeitung als Journalist, lebte in England, mittlerweile in Brüssel. Ein Riesenecho erhielt sein erster Roman „Das Buch der Spiegel“, dieses ist sein zweites Buch.

„Es gibt Untersuchungen, die festgestellt haben, dass achtzig Prozent unserer Erinnerungen mehr oder weniger falsch sind.“ Zu den anderen, den zwanzig Prozent wird gehören, dass die Erinnerungen an ein ausgesprochen bemerkenswertes Buch bleiben wird.

 

Eugene Chirovici
Das Echo der Wahrheit
Roman
Goldmann Verlag
318 Seiten
ISBN: 9783442314508
Preis: 20,00 Euro

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Über Barbara Wegmann 88 Artikel
Viele Jahre Redakteurin und Moderatorin beim Hörfunk, mittlerweile freie Journalistin und Sprecherin für Blinde und Sehbehinderte, Großer Fan von schönen Kinderbüchern, Bildbänden und fesselnden Krimis. Und das Schönste: die Neugier auf neue Bücher wird man einfach nicht mehr los.......

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