INDIEN – von Steve McCurry

Steve McCurry - Indien
Steve McCurry - Indien

„Während der letzten Jahre in Indien erlebte ich mit, wie sich selbst die entlegensten Winkel des Landes in einem Tempo entwickelten, das ich bei meiner Ankunft nicht für möglich gehalten hätte.“ Unzählige Male besuchte der amerikanische Fotograf und Fotojournalist Steve McCurry Indien, und dies ist auch nicht sein erstes Buch über das Land voller Gegensätze, aber ganz sicher ein außergewöhnlich schönes Buch. McCurry, bekannt für seine „intensiven Porträtaufnahmen“, berichtete aus allen Teilen der Welt, von allen Krisenherden und ganz egal was er durch seine Kamera sieht, seine Bilder haben eine magische Ausdrucks- und Anziehungskraft, sie berühren und erschüttern oder verzaubern.

Und diese Bilder darf man hier auf knapp über 200 Seiten, großformatig und geradezu auf Einrahmung wartend, in vollen Zügen genießen. Diese Bilder erzählen, nehmen gefangen, entführen in Farben, Motive und Situationen, die oft bekannt, aber auch wieder fremd anmuten, um jedes Bild scheint sich eine Geschichte zu spinnen, die das Motiv näher bringt. Mag sein, dass ein paar Worte mehr – als zum Schluss des Buches gerafft noch einmal zu jedem Bild in Passfoto- Format- hilfreich gewesen wären, denn es erwacht auch Neugier beim Betrachten, Fragen kommen auf, das Bild, so emotional, so aussagekräftig beginnt ein Eigenleben. Es ist tatsächlich ein Erlebnis, die Bilder dieses Fotografen zu betrachten.

Ob in Mumbai, Kalkutta, Rajasthan, Goa, oder manch anderen Städten, ob in ländlichen Regionen voller Armmut oder Regionen mit großstädtischem Flair, McCurry schafft es, die große Kluft in Indien einzufangen, die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen beginnender Ordnung und Chaos, oft so nahe beieinander liegend. Und trotz der rasanten Entwicklung des Landes, mit „schwindelerregendem Tempo’‚ trotz ‚Mars- Mission und Verdreifachung des Verteidigungshaushaltes, leben in Indien ein Drittel aller Armen weltweit’.
Viele Porträts von bestechender Schönheit spiegeln die Unsicherheit zwischen Tradition und Moderne wider, überall begegnet man in den Bildern der tiefen religiösen Verwurzelung des Landes und den typischen bunten Farben, egal ob umgeben von Reichtum oder bei Frauengewändern, die Inderinnen dort während der harten Arbeit auf einer Straßenbaustelle tragen.

„Keinem anderen wäre es gelungen, die Seele Indiens so meisterhaft einzufangen“, heißt es in einem Vorwort des Buches. Riesige Menschenmassen, die sich zu einem Fest am Ganges treffen, aber auch die Einsamkeit des Wanderers im Himalaya, Arbeiter in einer modernen Fabrik, aber auch ein ‚Holzschnitzer bei der Arbeit an einem Gebetbuch’, Reichtum, Monumentalbauten und touristische Attraktionen, aber auch tiefe Armut und Monsunfluten. Und immer wieder Porträts, Stimmungen, Farben und Vielfalt, Blicke, Menschen. Es ist eine Reise, die selbst in Armut und Chaos eines Landes Schönheit und Zuversicht findet, eine Reise, die jedes Bild zu einer Liebeserklärung macht und dabei auch noch Professionalität und Perfektion bis ins I-Tüpfelchen präsentiert. Grandios!
Eines der letzten Bilder des prächtigen Bildbandes zeigt einen alten indischen Mann, einen Angehörigen der Rabari- Gemeinschaft bei einer Opium- Zeremonie. So genussvoll wie dieser Mann dabei die Augen schließt, lässt man sie beim Blättern in diesem Buch berauscht vor Eindrücken offen.

 

INDIEN
Steve McCurry
Prestel Verlag
ISBN: 9783791381954
208 Seiten
Preis: 49, 95 Euro

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Über Barbara Wegmann 72 Artikel
Viele Jahre Redakteurin und Moderatorin beim Hörfunk, mittlerweile freie Journalistin und Sprecherin für Blinde und Sehbehinderte, Großer Fan von schönen Kinderbüchern, Bildbänden und fesselnden Krimis. Und das Schönste: die Neugier auf neue Bücher wird man einfach nicht mehr los.......

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