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Nostalgia – Orte einer verlorenen Zeit – Sven Fennema

Nostalgia -  Orte einer verlorenen Zeit -  Sven Fennema

Nostalgia – Orte einer verlorenen Zeit – Sven Fennema

„Es fasziniert mich immer wieder, wie die Natur sich ihren Weg bahnt, langsam aber unaufhaltsam die Kontrolle übernimmt, wenn der Mensch nicht dagegenwirkt – und am Ende mächtiger ist”. Das sagt der Fotograf Fennema in einem Interview, jung ist er, der 1981 in Xanten geborene, und doch fasziniert ihn das Morbide, das Vergängliche, das dem Verfall Preisgegebene. Es sind verlassene Paläste und Palazzi, stillgelegte Industrieanlegen, Krankenhäuser, in denen es schon lange keine Patienten mehr gibt, Klöster und Kirchen, Schulen, ein ganzer Dorfteil, der nicht mehr bewohnt ist, weil ein Erdrutsch einst alles zerstörte, oder eine alte Kapelle, die auf „Rettung wartet“.


Bevor man den außergewöhnlich prächtigen Bildband, der den zwar sicher stattlichen Preis mit jeder Seiten aber wert ist, aufblättert, sollte man großräumig den Tisch leeren, das Buchformat ist groß, das Gewicht des Buches ebenso und die Bilder großartig. Einfach nur großartig! Putz blättert ab, Jalousien sind in sich zusammengefallen, Rost breitet sich aus, Decken herausgebrochen, Tapetenreste oder Stoffe verschlissen, die Farben haben den Kampf aufgegeben. Gärten sind verwildert, alles wirkt wie in einem 1000jährigen Dornröschenschlaf. All diese Bilder und Eindrücke setzen schnell ein Kopf-Kino in Gang, man blickt sowohl zurück als aber auch nach vorn, mit vielen Fragen: Was für eine Bedeutung hatte das Bauwerk früher einmal? Wer lebte hier? Wie wurde es genutzt, warum kam es so herunter, Warum hat man es vergessen? Und natürlich die nach vorne gerichtete Frage: warum werden diese architektonischen Kleinode nicht restauriert, nicht wieder mit Leben erfüllt, genutzt und erhalten?
Fennema verrät nicht, „wo sich seine Schätze befinden, die er nach einer aufwendigen Suche in Archiven, auf alten Postkarten und anderen verschlungenen Wegen gefunden hat“. Dem Verkauf und dem Verscherbeln alter Kulturgüter will er keinen Vorschub leisten. Zudem ist es eigentlich auch ganz egal, wo diese vom Prunk einstiger Zeiten erzählenden Bauwerke stehen. „Sven Fennema ist ein Geschichtenerzähler und Schatzsucher“. Erzählt wird wenig in dem 320 Seiten starken Buch, zumindest nicht mit Worten, Fennema tut dies dafür weitaus intensiver, als Worte es könnten, mit seiner Kamera. Die Geschichten zu jedem Bild erzählt jeder Betrachter schnell ganz für sich allein. Bilder, in denen man versinkt und in denen plötzlich wieder Leben entsteht…
Noch tragen alte Säulen die Bögen, Decken und Tore, noch sind Motive wunderbarer, unersetzlicher Wandgemälde erkennbar, noch erinnern Innenarchitektur, Verzierungen, Farbreste, Mosaiken und seit Urzeiten nicht mehr benutzte prunkvolle Portale an ein Leben in diesen Mauern. Und immer noch, so heruntergekommen die steinernen Zeugnisse einer vergangenen Epoche aus sein mögen, ihrem Stolz und ihrer Schönheit konnte die Zeit nichts anheben. Das belegen Fennemas Bilder aufs Kunstvollste. Nur in der Nacht hört man „die schwachen, klagenden Geräusche der Holzwürmer.“

 

Nostalgia
Orte einer verlorenen Zeit
Sven Fennema
Texte von Petra Reski
Frederking & Thaler
ISBN: 9783954161867
320 Seiten
Preis: 98 Euro

Über Barbara Wegmann

Einst... geboren, gewachsen, gelernt, dann endlich... Redakteurin, Moderatorin heute Journalistin, Sprecherin, Rezensentin seit Jahrzehnten Vielleserin, Gernleserin, am liebsten Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem "gewissen Etwas" (Thema, Autor, Aufhänger) nicht zu vergessen Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen das Wichtigste im Leben: das Wort

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