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Das Insekten-Kochbuch von Folke Dammann und Nadine Kuhlenkamp

Das Insekten-Kochbuch

Das Insekten-Kochbuch

Der aller erste Eindruck, hält man das Buch in Händen, betrifft nicht den Inhalt des Buches, sondern seine Aufmachung: in warmen, gewinnenden Farbtönen, mit matten Fotografien, fernab von jedem Hochglanz und mit sehr ästhetischer Präsentation gewinnt es spontan eine Menge Sympathie. Mit Texten zum sicher (noch) nicht alltäglichen Thema führt es behutsam in Thematik und Problematik gleichermaßen ein, klärt auf, macht transparent und belegt schlüssig jede Argumentation, versteht Bedenken, versucht einfühlsam entgegen zu wirken. Ein sehr sachliches, ein sehr schönes Buch, ein Buch, zu dessen Bewertung ich das Versprechen mitliefere: ich werde es (wenigstens) ausprobieren!

Denn zu lecker präsentierten Rezepten wie Mini- Burger mit Grillen, Hopper Nachos mit Guacamole, Süßkartoffelpüree mit krossen Mehlwürmern oder Sushi- Variationen mit Insekten sei eines vorweg gesagt: gerechterweise sollten wir so ehrlich sein und zugeben, dass der optische Unterschied zwischen Heuschrecken und Garnelen auch nicht so riesig groß ist. Und vom Geschmack her, so betonen jene die bereits zu Insekten- Fans wurden, stehen beide auch unbedingt auf einer Stufe. Zudem: Insekten nehmen wir mit vielen Dingen in unserer Nahrung ohnehin schon auf: zum Beispiel im Farbstoff E120, ein roter Farbstoff, der aus Schildläusen gewonnen wird und eine „appetitliche Rotfärbung“ bewirkt. Auch der Waldhonig wird nicht aus Blütennektar, sondern aus Honigtau produziert und dabei handelt es sich um „ausgeschiedene Körpersäfte von Schild und Rindenläusen.“ Nun ja, von den Läusen sieht man dann ja auch nicht mehr soviel…
Insekten sind überaus gesund, reich an Mineral- und Ballaststoffen, Proteinlieferanten, sie benötigen wenig Platz bei der Zucht, der Wasserbedarf ist um ein Vielfaches geringer als bei anderen Tieren in der Massentierhaltung und sie produzieren „deutlich weniger Treibhausgase“. Zudem verwerten sie ihre Nahrung sehr „effizient“, das heißt: „Durchschnittlich werden 8 Kilo Futter benötigt um ein Kilo Körpermasse bei Rindern zu produzieren. Bei Insekten liegt das Verhältnis bei 2 Kilo Futter zu 1 Kilo Insektenmasse.“ Also: alles spricht dafür, Insekten, wie in vielen Ländern der Welt üblich und gewohnt, auch in Europa auf den Speisezettel zu nehmen, wäre da nicht jene „Ekelschranke“. Insekten und ihre vielen kulinarischen Anwendungen, all das ist wahrlich nicht neu, vielleicht können sich Manche noch aus Erzählungen an die Maikäfersuppe in Deutschland erinnern, die es zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab.
Vier Insektenarten, so die Verfasser dieses ausgefallenen und sicher noch umstrittenen Buches, werden zur Zeit in Europa für den menschlichen Verzehr gezüchtet und diesen vier Arten widmet sich das Buch: Grillen, Heuschrecken, Mehrwürmer und Buffalo- Würmer. Und die, womit das in jeder Beziehung spannende Buch gleich zum Werbeträger für seinen Autor und dessen Unternehmen wird, gibt’s zwar noch nicht überall, aber schon mal bei ‚snack insects’ über’s Internet, das Unternehmen gründete Dammann 2013 und er weiß, Interesse und Toleranz der Verbraucher seien von Anfang an sehr groß gewesen. Nadine Kuhlenkamp, Hamburger Kommunikationsdesignerin schließlich rundet das Projekt Insekten – Kochbuch mit viel Talent und Können ab, alles was ganz viel Liebe brauche, so ihr Credo, finde sie besonders spannend. Die wird das Thema auch noch brauchen, aber das Buch macht schon mal ne Menge Mut zum kulinarischen Aufbruch.

Das Insekten Kochbuch
Folke Dammann/ Nadine Kuhlenkamp
Kosmos Verlag
ISBN: 9783440148464
Preis: 19,99 Euro
130 Seiten

 

Über Barbara Wegmann

Einst... geboren, gewachsen, gelernt, dann endlich... Redakteurin, Moderatorin heute Journalistin, Sprecherin, Rezensentin seit Jahrzehnten Vielleserin, Gernleserin, am liebsten Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem "gewissen Etwas" (Thema, Autor, Aufhänger) nicht zu vergessen Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen das Wichtigste im Leben: das Wort

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