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Atlas der verlorenen Städte von Aude de Tocqueville

Atlas der verlorenen Städte

Atlas der verlorenen Städte

„Ich liebe Städte,“ gesteht die französische Autorin, „diese offenen Welten der permanenten Veränderung, aber noch mehr liebe ich verlassene Städte, die der Fantasie keine Grenzen setzen.“ Und so ist aus dieser sicher nicht alltäglichen Fantasie ein wunderbares Buch über mehr als 40 Städte entstanden, die „für die Menschheit für immer verloren sind.“ Kein Hochglanz, keine knalligen Farben, keine realen Fotos, dafür dezentes Erscheinen, matte Kolorierung in gezeichneten Skizzen der über den Globus verstreuten Städte.

Und zu jeder Stadt die unverwechselbare Geschichte. Ein zurückhaltendes Auftreten, das der eigenen Fantasie, den eigenen Kopfbildern genug Raum lässt. Still, erinnernd, spannend und „wie eine Metapher für unser Leben.“ Entstehen und Vergehen.
Die Geschichte Babylons, „im Herzen des heutigen Irak“, ist unter all den spannenden Porträts untergegangenen Lebensraums sicher eine der bekanntesten, einst ein mächtiges Zentrum, eine Metropole, die in der Bibel als „Inbegriff der sündigen Stadt“ überlebte, eine Stadt, um deren archäologische Funde und ihre Zerstörung man heute erneut bangen muss. Wie vielerorts.
Prora, das einstige Seebad der Nazis, ein Gebäudekoloss, 4,5 km lang an Rügens Ostseeküste: das größte Seebad der Welt sollte es werden. „Jeder Arbeiter des Landes sollte Urlaub am Meer machen können.“. Auf den Gängen des gigantischen Bauwerks Lautsprecher für Propagandabotschaften. Heute steht all das unter Denkmalschutz, ist Europas größte Jugendherberge, „wird Prora mit dem Fortschreiten der Sanierungsarbeiten die Last der Vergangenheit vergessen machen?“
Da ist die antike Stadt Shi Cheng in China, die einem Staudammprojekt zu Opfer fiel, aber heute unter den Fluten als Taucherparadies weiterlebt, noch jedenfalls. Da ist Hiroshima, zerstört durch den ersten Atombombenabwurf der Geschichte“, oder Prypjat, das „nukleare Pompeji“, heute eine „Geisterstadt“, einst Wohnort für die Arbeiter im Atomkraftwerk Tschernobyl. Vor der Katastrophe.
Die meisten Geschichten aber ranken sich um längst untergegangene Städte aus ganz frühen Epochen, in Asien, Afrika, Europa oder Amerika., Geschichten, ‚die vom Irrsinn der Welt, von der Gewalt der Natur und der Menschen’ erzählen.
„Wenn Städte untergehen, stirbt ein Stück Geschichte mit ihnen: Ihre Spuren wiederzufinden heißt, die Vergangenheit wieder zum Leben zu erwecken.“ Dazu leistet dieses ausgefallen schöne Buch unbedingt seinen Beitrag!

 

Aude de Tocqueville
Atlas der verlorenen Städte
Übersetzt von Regine Schmidt / Sabine Grebing
Frederking & Thaler
ISBN 9783954161799

Über Barbara Wegmann

Einst... geboren, gewachsen, gelernt, dann endlich... Redakteurin, Moderatorin heute Journalistin, Sprecherin, Rezensentin seit Jahrzehnten Vielleserin, Gernleserin, am liebsten Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem "gewissen Etwas" (Thema, Autor, Aufhänger) nicht zu vergessen Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen das Wichtigste im Leben: das Wort

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