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Antarktische Wildnis – Südgeorgien

Antarktische Wildnis - Südgeorgien

Antarktische Wildnis – Südgeorgien

Südgeorgien, nein, nein, mit dem Georgien in russischer Nachbarschaft hat diese Insel nichts zu tun. Kap Hoorn, und dann noch einmal 1500 Kilometer in östliche Richtung, da liegt die 160 Kilometer lange und ca. 30 Kilometer breite Insel, bis auf ein paar Forscher, die hier Station machen, menschenleer und ganz der Natur ausgeliefert. Für die beiden Autoren, Thies Matzen und Kicki Ericson, das ideale Ziel, nicht nur für eine Reise, auch nicht zum ersten Mal, aber dieses Mal sollten es über zwei Jahre werden. „Setze den ersten Schritt auf einen Strand, und du bist in überwältigender Weise von Tierleben umgeben wie nirgends sonst auf der Welt. Weitere Schritte, und die Insel hält dich, bleibt mit dir.“

Seit 25 Jahren besegeln die beiden bereits die Weltmeere, ihr einziges Zuhause: ein neun Meter langes Holz- Segelboot. „Ohne Elektronik, ohne Kommunikationsmittel oder Zugang zu Wetterprognosen bleibt uns in dem kleinen Holzboot eine Fragilität erhalten, die ich als Bereicherung sehe.“ Was für ein Abenteuer und eine Herausforderung! „Wir haben ein gutes Leben auf unseren acht Quadratmetern“. Nach allen Berichten, die immer wieder als kurze Texte die grandiosen Landschafts- und Tierbilder umrahmen, nimmt man ihnen dies auch tatsächlich ab. Anders als ein damaliger Forscher, der 1775 einmal schrieb: „Der bloße Gedanke, hier ein Jahr zu leben, füllt die ganze Seele mit Grauen und Verzweiflung.“

Für den außergewöhnlich schönen Bildband muss man sich Ruhe und Muße gönnen, sich anstecken lassen von der leidenschaftlichen Begeisterung für eine so entlegene Insel, die politisch zum britischen Überseegebiet gehört. Ruhe muss einkehren, abschalten, eintauchen in so ganz Neues. Manchmal, aber selten scheint hier in Südgeorgien die Sonne, manchmal ist es auch im Sommer bis zu 10 Grad warm, aber eher kälter. Und rundherum eine vielfältige Tierwelt. Eine unübersehbare Schar von Königspinguinen, ein Junges sucht seine Eltern. „Würde ich unter 100 000 Stimmern die meiner Mutter erkennen?“. Die beiden Weltensegler mitten drin. Schon nach wenigen Seiten wird schnell klar: hier gehen die Uhren anders, die Zeit verfliegt in anderen Dimensionen, hier herrschen andere Gesetze und Prioritäten. Bilder zwischen endloser Einsamkeit, betörender Naturschönheit, faszinierenden Tieraufnahmen und irgendwann, mit den beiden Autoren, gerät man ins Philosophieren, über das Leben, die Zeit, den Ort.

„Kicki und ich fühlen uns wohl in diesem Südgeorgien, bleiben drinnen, suchen die Sonne, wenn sie lockt, niemandem schuldig, nirgends eingeladen, nirgends ein Ja oder ein Nein, einfach Lesen, einfach Hören. Sehen, nichts als Unbemenschtes, den zweiten Winter in Folge. Angst dass der Winter viel zu kurz sein könnte, diese Einsiedelei schnell zerrissen.“

 

Antarktische Wildnis – Südgeorgien
Thies Matzen/ Kicki Ericson
mareverlag
ISBN: 9783866482302
58,00 Euro

Abbildung: mareverlag

Über Barbara Wegmann

Einst... geboren, gewachsen, gelernt, dann endlich... Redakteurin, Moderatorin heute Journalistin, Sprecherin, Rezensentin seit Jahrzehnten Vielleserin, Gernleserin, am liebsten Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem "gewissen Etwas" (Thema, Autor, Aufhänger) nicht zu vergessen Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen das Wichtigste im Leben: das Wort

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