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Das Herbarium der Entdecker

Das Herbarium der Entdecker

Das Herbarium der Entdecker

Was für ein Abenteuer und was für ein außergewöhnliches Buch. Da mögen zwar kurz Erinnerungen an längst vergangene Schulzeiten aufkommen, an den Biologie- Unterricht, Exkursionen und Ausflüge, auf denen man Blätter, Blüten, Pflanzen und Gräser sammelte, zwischen Duden und lateinischem Wörterbuch, Löschblättern und Küchenpapier trocknete und, der guten Note schon gewiss, die botanische Beute irgendwo schließlich einklebte.

Da mag man sich auch kurz an die hübsche, frühere Sitte erinnern, sich bei der Liebsten mit einer gepresste Blüte im Poesiealbum zu verewigen. Aber was sind Schulausflüge und Herzensreisen gemessen an den Forschungsexpeditionen von Darwin, Humboldt und Co? Die Ausbeute ihres Forschungshungers bewundern, eine Idee bekommen von Bedingungen, Arbeit und Leben auf ihren abenteuerlichen Reisen, kann man in diesem großen und großartigen Buch.
Viele Jahre waren Forscher einst unterwegs, entdeckten ferne Kontinente, ließen sich auf Ungewissheiten ein, durchlebten Gefahren, Krankheiten und das Getrenntsein von ihren Familien. „Als Marco Polos Vater im Jahr 1253 von Italien nach China aufbrach, ließ er seine schwangere Frau zurück, und als er heimkehrte fand er einen 15jährigen Sohn vor.“ Nur wenige, so heißt es, starben in einem Bett, und noch weniger seien durch unsterblichen Ruhm belohnt worden oder mit Geld. Warum brach man trotzdem immer wieder auf? Dieses Buch dokumentiert eben diese ganz eigene und besondere Leidenschaft: Magellan, Rumpf, Hooker, Livingstone, Kolumbus, und viele, viele andere aus vergangenen Jahrhunderten, die aufbrachen um zu forschen, zu erkunden und auch zu sammeln.
„Weltweit sind derzeit bereits 248000 Pflanzenarten bestimmt. In Europa sind es etwa 12000, während aus Südamerika 165000 Arten, aus Ozeanien 45000, aus China allein 32000 und aus Indien 21000 Arten bekannt sind. “ Was einst die reiche Beute der Forscher, dokumentiert unter anderem in Herbarien, ist heute neben aller Bewunderung auch ein Stück Mahnung und Aufruf, die Artenvielfalt zu retten und zu erhalten.
Jeweils einem Forscher, seinen Reisen und den besonderen Entdeckungen ist jeweils ein Kapitel gewidmet, großflächig werden gepresste Pflanzen aus fernen Zeiten und Ländern präsentiert. Trotz seines prächtigen Inhalts gibt das Buch nur einen ganz kleinen, absolut sehenswerten Einblick in die Sammlungen der Royal Botanic Garden und des Zentrums für das wissenschaftliche Erbe der Université Montpellier.  Allein in der Millennium Seed Bank der Royal Botanic Garden lagern über zwei Milliarden Pflanzensamen. Und die Herbarien beider Einrichtungen bilden „die Grundlage dieses Buches“.
„Ich bin versessen auf die Botanik, es wird täglich schlimmer. Ich habe nur noch Stroh im Kopf, eines Morgens werde ich selbst zur Pflanze geworden sein.“ Es sind Zitate wie dieses von Jean- Jacques Rousseau und so ganz persönliche Einblicke in Leben und Besessenheit der Forscher, die das Buch zu einer wahren Abenteuerreise werden lassen. Bezaubernd und überaus geschmackvoll illustriert, mit Zeichnungen, alten Grafiken, Fotografien und Malereien. All dies macht das herausragende Buch zu etwas ganz Besonderem!

Das Herbarium der Entdecker
Humboldt, Darwin & Co- botanische Forscher und ihre Reisen
Florence Thinard
Haupt Verlag
ISBN: 9783258078182
Preis: 49,90 Euro

Über Barbara Wegmann

Einst... geboren, gewachsen, gelernt, dann endlich... Redakteurin, Moderatorin heute Journalistin, Sprecherin, Rezensentin seit Jahrzehnten Vielleserin, Gernleserin, am liebsten Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem "gewissen Etwas" (Thema, Autor, Aufhänger) nicht zu vergessen Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen das Wichtigste im Leben: das Wort

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