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Die Lügen der anderen – Mark Billingham

Die Lügen der anderen

Die Lügen der anderen

Alles beginnt so harmlos: im Urlaub lernen sie sich kennen, in einem Hotel in Florida, jene drei Pärchen aus England, deren Schicksal über 410 Seiten hinweg den Leser geradezu knebelt. Atemraubend und ausgesprochen spannend, bestens zu lesen, keinesfalls sollte man Pausen einkalkulieren.

Sue und Ed sind seit 22 Jahren verheiratet, er stets „auf der Suche nach einem gelegentlichen Abenteuer“. Dave und Marina kennen sich erst anderthalb Jahre und Angie und Barry sind seit zehn Jahren ein Paar. Gutsituiert, man leistet sich etwas, na ja, die üblichen Schwierigkeiten in der Partnerschaft, die gewohnten Dinge, die man sich sagt, oder auch nicht sagt. Und wie das so ist in einem Hotel, man trifft sich auf einen Drink, redet über den Service, das Wetter und die Männer, stellt fest, dass man in England nah beieinander wohnt. Unbedingt müsse man sich nach dem Urlaub wiedersehen. Da werden Mailadressen ausgetauscht, Treffen vereinbart. So richtig überzeugt ist niemand von dem Wiedersehen, fühlt sich verpflichtet, das Gerede gedeiht.

Was für die meisten realen Bekanntschaften dieser Art eine Floskel oder Drohung bleibt, setzen die sechs dennoch in tatsächliche Treffen um. „Kann nett werden, kann aber auch die Hölle werden.“

Am letzten Abend des Urlaubs in Florida treffen sich die sechs noch einmal zu einem Essen und erfahren, dass ein kleines, behindertes Mädchen, das sie kurze Zeit vorher kennen gelernt hatten, verschwunden ist- später wird Amber- Marie tot in den nahe liegenden Sümpfen gefunden. Die drei Paare werden von der Polizei später auch in England befragt. Bei ihren Treffen reihum wird der mysteriöse Tod zu einem immer tiefer greifenden Thema. Wer hat was warum ausgesagt, welche Fragen wurden wem gestellt, welche Antworten hat man gegeben, wieso fühlen sich alle verdächtigt und schuldig? Was will die Polizei überhaupt von den sechs Urlaubern? Haben sie mehr gesehen als sie zugeben?

Der als Kammerspiel bestens zu inszenierende Roman driftet voller Spannung auf ein völlig unabsehbares Ende hin, unterbrochen von Kapiteln, in denen der Mörder in Ich- Form seine Tat, aber nicht seine Identität offenbart. Auf den drei Treffen der Paare und in vielen Gesprächen vor- und nachher modelliert Billingham, einer der erfolgreichsten britischen Kriminalautoren, lebendig und überzeugend nicht nur sechs Charaktere heraus, sondern legt offen, welchen unvermutet hohen Stellenwert Lügen in den verschiedensten Bereichen haben: Zweifel kommen auf, Misstrauen, niemand traut mehr dem Anderen, alle machen sich ein Bild voneinander, aber nichts ist so wie es scheint. „Ich war wirklich erstaunt, wie leicht mir das Lügen fiel, als ich es nötig hatte…Schon komisch, wie man einfach einen Schalter umlegene kann….Lügen ist menschlich.“

Lebendig ist die Handlung, Dialoge bestimmen den Takt und der arbeitet sich professionell und unbeirrbar auf ein überraschendes Ende hin.

„Und, fahren wir nächstes Jahr alle wieder hin?“ fragen sich die drei Pärchen am Ende des Urlaubs. Nun, ob es dazu noch kommt…

Ungelogen: ein klasse Buch!!

Die Lügen der Anderen
Mark Billingham
Atrium Verlag
ISBN: 9783855350544
19,99 Euro

Über Barbara Wegmann

Einst... geboren, gewachsen, gelernt, dann endlich... Redakteurin, Moderatorin heute Journalistin, Sprecherin, Rezensentin seit Jahrzehnten Vielleserin, Gernleserin, am liebsten Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem "gewissen Etwas" (Thema, Autor, Aufhänger) nicht zu vergessen Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen das Wichtigste im Leben: das Wort

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