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Wie die Helene zur Birne kam – James Winter

Wie die Helene zur Birne kam

Wie die Helene zur Birne kam

Vor den kulinarischen Genuss hat dieses liebevoll gestaltete Buch das geistige Vergnügen gesetzt. Und, geben wir es ehrlich zu: woher jenes klassische Dessert ‚Birne Helene’ seinen Namen bekam, das wollte man eigentlich immer schon wissen. Spätestens seit dem legendär gewordenen Disput im Loriot- Film ‚Papa ante portas’: „Wenn ich jetzt noch einmal Birne Helene höre, werfe ich mich hier auf den Boden und beiße in die Auslageware.“

„Poires Belle Hélène“, so der Originalname der Birne mit Vanilleeis und Schokoladensauce, ist nach der Titelheldin aus Jacques Offenbachs Operette La Belle Hélène benannt. Angeblich soll das Dessert für die Premiere im Dezember 1864 in Paris entstanden sein, aber so ganz sicher sind sich die Gourmet- Historiker da nicht. Jedenfalls war es damals durchaus üblich und Mode, „neue Gerichte nach Bühnenwerken zu nennen, vor allem, wenn sie Frauennamen im Titel trugen. Die Birne Helene war insofern nichts Außergewöhnliches.“

Außergewöhnlich aber der köstliche und kurzweilige Reigen, in den sich Hélène hier einreiht: Crêpes Suzette, Austern Rockefeller, Bœuf Stroganoff, der Waldorfsalat oder ganz einfach die Pizza Margherita, dieses „Grundnahrungsmittel des Fast Foods“, wie kam sie zu ihrem Namen? Die Pizza gab es wohl schon bei den alten Griechen, aber: „Der Zauber, der noch heute der Pizza innewohnt, nahm jedoch in Neapel seinen Anfang“. Das Geheimnis des eigentlich ja so simplen Weltklassikers: es müssen die richtigen Tomaten sein. Die San- Marzano- Tomate. „Sie wächst direkt vor den Toren der Stadt auf den Ebenen des Vesuvs….Die ersten Setzlinge tauchten um 1770 auf…offenbar waren sie ein Geschenk des peruanischen Königs.” Und als 1889 die italienische Königin Margherita nach Neapel kam, hatte die Pizza auch endlich ihren unsterblichen Namen, der um die Welt ging.

Insgesamt werden so, in Bild und amüsanten Geschichten über Ursprung und Herkunft 50 Rezept- Klassiker vorgestellt. Übrigens ein Buch, dessen ausführliche Rezepte nicht nur bestens munden werden, sondern ein Buch, über dessen Geschichten sich trefflich bei Tisch erzählen lässt.  Erhellende und erheiternde Konversation zwischen Salat Olivier, Beef Wellington, Huhn Marengo, Pfirsich Melba, Garibaldi Biscuits oder ja auch vielleicht bei einem Glas Piña Colada, was soviel heißt wie „abgeseihte Ananas“. „Es gibt Worte, die man besser nie übersetzen sollte“. Und die Geschichte dieses Drinks geht bis ins 19. Jahrhundert zurück, „zu einem Piraten namens Roberto Cofresí“, der den Drink seinen Männern an Bord verabreichte, „um die Moral zu heben, wenn sie viele Jahre auf See verbrachten“.“ Seefahrergeschichten, die sicher von Becher zu Becher schauerlicher wurden.

Wie die Helene zur Birne kam
50 Rezeptklassiker und ihre Geschichte
James Winter
Verlag Callwey
ISBN: 9783766720412
Preis: 29,95 Euro

Über Barbara Wegmann

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geboren, gewachsen, gelernt,
dann endlich…
Redakteurin, Moderatorin
heute
Journalistin, Sprecherin, Rezensentin
seit Jahrzehnten
Vielleserin, Gernleserin,
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