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Als der Käfer laufen lernte

„Das Volkswagenwerk wurde zum Motor des Wiederaufbaus in Deutschland und zu einem Symbol für das ‚Made in Germany’“.  Wer in den alten Fotoalben der Nachkriegszeit blättert wird feststellen, dass ein Käfer damals nicht fehlen durfte: die Familie davor, daneben, der Volkswagen in der Mitte, quer oder alle am Kühler angelehnt. Er gehörte dazu, quasi als Familienmitglied. So war das eben damals. Selbst wenn zuerst, als die Produktion des Käfers begann, Privatkunden gar keine Chance hatten. Die Wagen gingen „als Reparationsleistung an die Besatzungsmächte“. Das änderte sich nach 1948 schneller als gedacht. Ab da wurden dem VW-Werk in Wolfsburg die Autos „förmlich von den Bändern gerissen.“ Anfang der 50er Jahre gab das Werk einen Film in Auftrag. „“Aus eigener Kraft“, 90 Minuten, die darstellen sollten, wie ein Volkswagen entsteht. Ein ‚abendfüllender Spielfilm…der allen Kinos der Republik kostenlos zur Aufführung zur Verfügung gestellt wurde.“ Für Interessenten, Laien, die Angestellten des Werks und Händler ein Blick hinter die Kulissen des immer erfolgreicher werdenden Werkes am Mittellandkanal.

Für diese „Marketing- Kampagne ersten Ranges“ wurde der Regisseur Franz Schroedter gewonnen. Rund um Produktion und Drehtermine für den Film entstanden viele Fotografien, die in diesem jetzt erschienenen Bildband erstmals veröffentlicht werden. Gefunden bei einer Haushaltsauflösung, in einer Kiste, was für ein Schatz! So sind diese schwarz-weiß Fotografien schon eine kleine Sensation für sich, gewinnen jedoch an Aussage, Wert und Format durch die textliche Einbindung eines was VW angeht richtig alten Hasen: Bernd Wiersch. Ab 1969 arbeitete er beim VW Konzern als Archivar, leitete dann das Auto-Museum in Wolfsburg. Rund um den Käfer und seine Erfolgsgeschichte, die wohl einmalig ist, gibt es sicher keine Information , die Wiersch fremd wäre. Er liefert hier die nötigen Texte, die Informationen zum Fotografien- Fund, erläutert jedes Bild, liefert Zitate, erzählt Hintergründiges aus der frühen Firmengeschichte. Einzelne Kapitel sind es, die jeden Produktionsabschnitt zeigen, jeden Entstehungsschritt des Käfers, damals noch „hauptsächlich in ehrlicher Handarbeit“. Da ist die Montage des Motors, Einbau von Getriebe und Bremsen, Verschrauben und Schweißen der einzelnen Karosserieteile, Technik in den 50ern. Einblicke in Kantine und Betriebsversammlung, Mitarbeiter die sich zum Gruppenbild vor ihrem Werk finden. VW in den 50er Jahren, das war weitaus mehr als nur ein Arbeitgeber!

So werden die Aufnahmen, sicherlich nicht unter professionellen Fotoblick zu betrachten und zu beurteilen, zu ganz persönlichen Zeugnissen  und Erinnerungen, geben aber mit den Informationen über Produktion, Absatz, Firmenpolitik und Wirtschaftskraft ein gelungenes Gesamtbild. Eine Stück Firmengeschichte, wie es sie sicher kein zweites Mal gibt.

Als der Käfer laufen lernte
Bilder vom Band: Die VW- Produktion der frühen Jahre
Bernd Wiersch
Verlag Delius Klasing
ISBN: 9783768836876
Preis: 39,90 Euro

 

Über Barbara Wegmann

Einst... geboren, gewachsen, gelernt, dann endlich... Redakteurin, Moderatorin heute Journalistin, Sprecherin, Rezensentin seit Jahrzehnten Vielleserin, Gernleserin, am liebsten Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem "gewissen Etwas" (Thema, Autor, Aufhänger) nicht zu vergessen Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen das Wichtigste im Leben: das Wort

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