Du bist hier: Startseite » Grünes » Mit Goethe im Garten

Mit Goethe im Garten

Allein schon die kreative Idee für dieses wunderschöne Buch lohnt dessen Lektüre. Goethe (1749- 1832), deutscher „Dichterfürst“ schlechthin, aber auch Naturwissenschaftler und Gartenfreund, er hatte sowohl in Weimar einen Garten als auch an der Ilm ein kleines Gartenhaus.

Abends 6 Uhr. Ich sitze noch in meinem Garten, es ist das schönste Wetter von der Welt, pflanze und mache allerlei Zeugs, das künftig soll schön aussehen und uns in guten Augenblicken Freude machen.“

Dass Gebäude unter bestimmten Voraussetzungen bewahrt, in ihrem historischen Bild erhalten werden sollen, das ist allgemein bekannt, dass auch Gärten „denkmalpflegerisch betreut“ werden vielleicht ehr nicht, dennoch eine spannende Angelegenheit: Es ist schon eine intensive Recherchearbeit, ein ausführliches Quellenstudium, um Gärten, Anlagen, Konzepte von einst über die Jahrhunderte hinweg dem Original nahe kommend zu gestalten, zu erhalten und zu präsentieren.

Reich illustriert ist das Buch, gespickt mit Zeichnungen, Silhouetten, Gemälden und alten Dokumenten, farblich betörend durch eine Unzahl detaillierter Fotografien, Nahaufnahmen und auch den Gesamtblick präsentierend aus den Gärten. In der Nachmittagssonne, im Wasser sich spiegelnd mit lebendiger Üppigkeit und einem Hauch alter Tage. Was die textliche Begleitung so attraktiv macht, das sind die Erzählungen, Anekdoten, die Geschichten und Geschichtchen rund um Goethes Gartenfaible. Auszüge aus seinen Briefen, seinen Tagebüchern und seinen Werken. Stationen in Goethes Leben aus gärtnerischer Sicht.

Mit seiner Natur- und Pflanzenliebe stand Goethe nicht allein. Auch seine Dichter- und Philosophenfreunde Herder, Schiller und Wieland waren vom Gartenvirus infiziert. Das einfache ländliche Leben lag im Trend. Weg mit der höfischen Etikette!“ Die Gartenkunst spielte im ausgehenden 18. Jahrhundert eine immer wichtigere Rolle, den Barockgärten sagte man adieu, der englische Landschaftspark wurde zum Vorbild, weil er „dem neuen Lebensgefühl mit einer Begeisterung für die ‚freie’ Natur entsprach.“ Alles war im Wandel.

Alte Pflanzenarten werden vorgestellt, auch Bezugsadressen genannt, und: wie das I-Tüpfelchen auf einem mehr als mit Liebe konzipierten und geschriebenen Buch wirken wenige alte Rezepte, die ‚Thüringer Kartoffel- Torte’ von 1797 oder die „Laubfrösche“. Stimmungsvoll, zum Schwärmen und visuellen Verweilen in Gärten vergangener Jahrhunderte, aber auch ein kluges und erhellendes Buch zum Lesen und Lernen. Für Goethekenner, die aber noch nicht alles aus dem Leben des Dichter kennen und für Gartenliebhaber gleichermaßen, die neben dem grünen Daumen auch Sinn für die Literatur haben.

Mit Goethe im Garten

Renate Hücking

Inspiration und grünes Wissen aus den Gärten der Goethezeit

Verlag Callwey

ISBN: 9783766720405

Preis: 39,93 Euro

 

Über Barbara Wegmann

Einst…
geboren, gewachsen, gelernt,
dann endlich…
Redakteurin, Moderatorin
heute
Journalistin, Sprecherin, Rezensentin
seit Jahrzehnten
Vielleserin, Gernleserin,
am liebsten
Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem „gewissen Etwas“ (Thema, Autor, Aufhänger)
nicht zu vergessen
Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen
das Wichtigste im Leben:
das Wort

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Required fields are marked *

*