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Prinzessin Sharifa und der mutige Walter – Zwei alte Geschichten neu erzählt- Zeichnungen von Mehrdad Zaeri

Prinzessin Sharifa

Prinzessin Sharifa

Ein Jahr lang arbeiteten Theaterleute aus dem ägyptischen Alexandria und Mannheim zusammen, um ein Theaterstück zu erstellen. Wie ist das, wenn man ein anderes Land, eine andere Kultur mit eigenen Augen sieht, welche Unterschiede gibt es, oder vielleicht nicht? Beide Länder suchten sich eine alte Geschichte des jeweils anderen Landes, die sie spielerisch umsetzen wollten.

Das ägyptische Team wählte die Geschichte von Wilhelm Tell und seinem Sohn Walter, das deutsche Team entschied sich für ein altes arabisches Märchen. Spannend, „eine bekannte Geschichte mit den Augen der Anderen neu zu sehen.“ Und aus diesem Theaterprojekt entstand ein Buch, das beide Geschichten vereint, ein Buch, das man von vorne nach hinten, wie gewohnt, lesen kann, das man aber genauso von hinten nach vorne lesen kann, es entstand natürlich zweisprachig in deutscher und arabischer Sprache und Schrift. Zwei Geschichten von mutigen Kindern: Walter, der Sohn des Wilhelm Tell, dem der Vater einen Apfel vom Kopf schießt auf Geheiß des Vogts. Walters Vater hatte sich geweigert, so kennen wir die Geschichte, den auf einer Stange befestigten Hut stets zu grüßen als Zeichen der Ehrerbietung. Sich der Obrigkeit widersetzen, Zustände hinterfragen, für Gerechtigkeit eintreten, nicht nur für das ägyptische Team ein außerordentlich aktuelles Thema.

Im arabischen Märchen geht es um eine mutige Prinzessin, die in das Land eines Königs fährt, der alle Frauen und Mädchen vertrieben hat. Als Prinz verkleidet reist sie und ‚beweist dem König letztlich, dass ein Leben von Männern und Frauen viel schöner ist.’ „Tag und Nacht gehören zusammen wie Mann und Frau. Erst gemeinsam ist das Leben schön.“ Gleichberechtigung, Partnerschaft auf Augenhöhe, Respekt und Achtung vor Frauen, auch dies alles andere als eine thematisch überholte Geschichte. Anliegen, die in Form dieser Legende und eines Märchens von Sechsjährigen spielerisch verstanden werden, und sicher mithelfen, den Grundstein zu legen für ein tolerantes, interkulturelles Zusammenleben der kommenden Generation.

Als Zeichner wurde der Iraner Mehrdad Zaeri gewonnen, der sehr auffällig mit wenigen Strichen und reduzierten Farben die Geschichten umsetzt und dem ein lauter Kontrast von Angst und Schrecken einerseits und Hoffnung und Zuversicht andererseits gelungen ist.

Eigentlich müsste es Bücher wie diese viel häufiger und schon seit langem geben, ein wunderbarer Weg, Grenzen abzubauen, in andere Kulturen und Länder zu schauen, eine andere Mentalität zu verstehen, die möglicherweise gleiche Anliegen, aber nur andere Ausrucksweisen hat. Ein absolut ausgefallenes und gelungenes Projekt aus dem Schweizer Baobab Books Verlag, da wünscht man sich viele Fortsetzungen!

Über Barbara Wegmann

Einst... geboren, gewachsen, gelernt, dann endlich... Redakteurin, Moderatorin heute Journalistin, Sprecherin, Rezensentin seit Jahrzehnten Vielleserin, Gernleserin, am liebsten Bildbände, Kriminalromane, Bücher mit dem "gewissen Etwas" (Thema, Autor, Aufhänger) nicht zu vergessen Familie, Tochter, Mann, spanische Küche, Freunde bekochen, Musik, Leidenschaft für alte Bücher, Antikmärkte, lebenslanges Lernen das Wichtigste im Leben: das Wort

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