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Architektier – Bauwerke der Natur

Die Weibchen der Laubenvögel in Australien und Neuguinea bauen ein eigenes Nest, praktisch, einfach, gerade recht, um die junge Brut großzuziehen. Die Männchen bauen auch ein Nest, aber das ist eine reine „Liebeslaube“. Geradezu protzig, groß angelegt, üppig geschmückt mit bunten Objekten, farblich zudem fein sortiert, ausstaffiert mit „Federn, Beeren oder Blüten“, ja und wenn dann die Balztänze mit Gesang folgen, dann wird vielleicht dieser und kein anderer „Bauherr der perfekte Paarungspartner und damit der ideale Vater gemeinsamer zukünftiger Vogelkinder“ sein.


Ingo Arndt ist ein fantastischer Naturfotograf; Preise erhielt er schon viele, zum Beispiel den Deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie. Aber zu allem professionellen Umgang mit Kamera und Objektiv gesellt sich bei ihm eine tiefe Leidenschaft zu seiner Arbeit hinzu. Nicht nur sein neuster Bildband demonstriert: hier ist weitaus mehr im Spiel als Können, Routine und Talent. Da sind Faszination und Begeisterung für jedes Motiv, eine tiefe Neugier, mit Hilfe der Kamera Geheimnissen auf die Spur zu kommen, vielleicht ja via Objektivwahl, Bearbeitung und Präsentation etwas zu entdecken, was der ganz normale Anblick verdeckt, versteckt und verwehrt. In diesem spektakulären Bildband führt der Foto- Profi in die Baukunst der Tiere ein. Eine „reizvolle Angelegenheit“ wie Ingo Arndt selbst gesteht. Und aus seinem Können, seiner Zielsetzung wurde mit begleitenden Texten und einer auffällig edlen Gestaltung dann ein ganz eigenes Kunstwerk.

Tiere sind hier, egal ob Spinnen, Termiten, Vögel, Köcherfliege, Wespen, Mäuse oder Biber, Korallen oder Schnecken ausnahmsweise nicht die eigentlichen Stars vor dem Objektiv, es sind vielmehr ihre Behausungen, die Ästhetik ihrer Baukunst, die Zweckmäßigkeit, der tiefere Sinn, der in Form, Baustoff und Gestalt steckt. Ingo Arndt stellt nicht einfach vor, er schafft Bilder, die intimen Charakter haben, den innersten Geheimnissen der Tiere auf der Spur sind. Schon diese genialen Fotos vor Ort sind ein Genuss, aber damit nicht genug. Im Studio werden diverse Nester und Bauwerke dann noch einmal vor schwarzem Hintergrund eindrucksvoll aus der Natur herausgenommen, für sich als wahres Kunstwerk präsentiert: Köcher beispielsweise, in denen sich die Köcherfliege entwickelt, ein Eichhörnchen-,  Wespen- oder Zwergmausnest, ausgeleuchtete Facetten von Schnecken und Korallen. So rücken Bauweise, filigrane Gestaltung und das Wunder der tierischen Architektur noch stärker in den Fokus. Diese Tierarchitektur, so heißt es im Vorwort, bilde einen guten Kontrapunkt und warne vor dem Hang des Menschen, immer mehr zu wollen als das, was für ihn notwendig wäre. „Tiere haben kein Ego und keinen Stolz….Und doch sind die Gebilde und Formen, die sie hervorbringen so elegant und erstaunlich wie jede von Menschen geschaffene Architektur.“

Tierische Kunstfertigkeit und das exakte Befolgen des genetischen Auftrags, auch zum Beispiel im Fall der bis zu sechs Meter hohen australischen Termitenbauten, geben einen eindrucksvollen Einblick in sonst verborgene Naturwunder. Den Bau von Spinnennetzen dagegen kann jeder selbst begutachten und bestaunen: „Gebilde aus Seidenfäden, die…als raffinierte Fallen viele Opfer das Leben kosten, so die Netze der Spinnen. Filigran, kaum zu entdecken und meist mit Klebetröpfchen versehen, werden sie fliegenden Insekten zum Verhängnis. Wofür wir dankbar sein sollten, denn ohne diese feinen Fangnetze würden uns Fliegen und andere Insekten in rauesten Mengen belästigen.“ Nun gut, das mit den Spinnen kann man auch anders sehen….
Aber das ändert natürlich nichts an der Genialität dieses großformatigen Prachtbuches!

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